Chorgemeinschaft
Vereinschronik von 1904 bis 1953

Gründungsjahr 1904

„Um einem längst gehegten Wunsche, eine engere Sängergesellschaft zu gründen, zu entsprechen, schlossen sich im Februar 1904 eine Anzahl hiesiger Bürger zusammen, um die Sache zu beraten, kamen jedoch nach reiflicher Überlegung zu der Überzeugung, dass dieser Wunsch nicht durchführbar ist aus verschiedenen Gründen.“ So ist in der Eintragung Nr. 1 des Protokollbuches zu lesen. Diese nicht besonders optimistischen Worte leiten die Geschichte eines Vereins ein, der im Laufe der Jahre bewiesen hat, dass er stets bereit war, sich für die edle Sängersache einzusetzen. Aber man hat auch dort schon Mittel und Wege gefunden, „um einem längst gehegten Wunsche zu entsprechen“ und hat in der Brauerei Gebhardt eine Liste aufgelegt, in welche die sich eintragen konnten, die einem neu zu gründenden Gesangverein als Mitglied beitreten wollten. Und das Ergebnis dieser Eintragung hat dem Wunsche der Gründer Recht gegeben: 24 aktive und 24 passive Mitglieder hatten sich eingetragen. So wurde im März 1904 der Verein unter dem Namen „Männergesangverein Lyra Bruchsal“ gegründet und amtlich genehmigt. Die Singstunden wurden sofort aufgenommen und fanden im Nebenzimmer der Brauerei Gebhardt unter Leitung von Musikdirektor Lemke statt. Nachdem das Gasthaus „Zum Löwen“ neu erbaut und fertiggestellt war, wurde dieses Vereinslokal.

 

1905

Nachdem der Verein bisher nur bei verschiedenen Vereinsfestlichkeiten aufgetreten war, folgte am 26. Januar 1905 das erste öffentliche Auftreten des Vereins im damaligen „Kaiserhof“. Unter  der Leitung von Friedrich Berghöffer und unter Assistenz des zweiten Vorstandes Josef Schwaninger fand am 9. Juni 1907 auf der „Reserve“ das erste Sängerfest statt, das ein voller Erfolg war. Nun folgte Veranstaltung auf Veranstaltung. An auswärtigen Sängerfesten wurde mit Erfolg teilgenommen, Weihnachtsfeiern, Hochzeitsständchen, Jubiläumsfeiern und sonstige Veranstaltungen lösten einander ab. Die Krönung der Vereinsarbeit aber brachte der 2. Mai 1909, an dem das Stiftungsfest verbunden mit der Fahnenweihe und Gesangswettstreit stattfand. Der Verein ruhte aber auf seinen Lorbeeren nicht aus, sondern arbeitete freudig weiter im Dienste des deutschen Liedes. Veranstaltung folgte auf Veranstaltung, Erfolg reihte sich an Erfolg, und zahlreich waren die fröhlichen Stunden, wo manchem Fass Bier, das von Mitgliedern anlässlich ihrer Hochzeit usw. gestiftet wurde, der Garaus gemacht wurde, wie aus den Protokollen des langjährigen Schriftführers Georg Schwaninger hervorgeht. Diesem regen und ersprießlichen Vereinsleben machte der Erste Weltkrieg ein Ende. Der Vereinsbetrieb ruhte bis 15. Februar 1919. An diesem Tag fand eine Begrüßungsfeier statt, und bald darauf wurden die Singstunden wieder aufgenommen. Und wieder kamen die Erfolge. Fleißig wurde gearbeitet, bis die Inflation die Führung der Vereinsgeschäfte erschwerte. Der Jahresbeitrag betrug 400 Mark, und der Verein sah sich gezwungen, die Stadtverwaltung zu bitten, ihm für die Abhaltung der Proben die Aula der Höheren Mädchenschule zur Verfügung zu stellen, weil sich niemand den Besuch der Proben im Vereinslokal erlauben konnte. Aber auch dies ging vorüber, und die Proben und Veranstaltungen konnten wieder im Vereinslokal „Zum Löwen“ durchgeführt werden, bis das Vereinslokal ins Gasthaus zur „Stadt Mannheim“ verlegt wurde. Und dann kam mit dem  12. Oktober 1936 ein schwarzer Tag für den Verein. An diesem Tag verlor die Lyra den Mann, der über 30 Jahre an der Spitze des Vereins gestanden hatte, der über ein Menschenalter für den Verein gearbeitet und sich geopfert hatte: der erste Vorstand Friedrich Berghöfer war gestorben. Mit der Lyra trauerten weite Sängerkreise um den Dahingeschiedenen, der allen Vorbild gewesen war. Er ist auch heute noch unvergessen. Aber das Leben geht weiter und so auch die Vereinsarbeit, bis der Zweite Weltkrieg Einschränkungen brachte und die Singstunden eingestellt werden mussten. Das seitherige Vereinslokal zur „Stadt Mannheim“ wurde verkauft, und der Verein wählte als neues Vereinslokal das Gasthaus „Zum Tannhäuser“. Nachdem die Singstunden 1944  wieder aufgenommen worden waren, mussten sie infolge der Kriegsereignisse wieder eingestellt werden.

 

1945

Der 1. März 1945 brachte die Katastrophe. Bruchsal wurde zu 82 Prozent zerstört. An diesem Tag verlor der Verein seine Fahne und wie fast alle seine Mitglieder Hab und Gut, ebenso wurde unser bisheriges Vereinslokal „Zum Tannhäuser“ durch den Fliegerangriff ein Raub der Flammen. Aber schon am 7. Juli 1946 fand im neuen Vereinslokal „Zum Ochsen“ wieder eine Hauptversammlung statt, die eindeutig und klar zeigte, dass der Verein noch lebte, und von nun an ging es stetig aufwärts. Alte Mitglieder kamen wieder, und neue kamen hinzu. Am 15. Juni 1948 bezog der Verein das neu eingerichtete Lokal des Gasthauses „Prinz Max“ und hielt dort die erste Singstunde ab. Emsig und intensiv wurde gearbeitet, und die sich nun einstellenden Erfolge zeigten, dass Vorstandschaft und der neue Chormeister Ortwin Matschinsky auf dem richtigen Wege waren. Die hohen Ideale dieses Chormeisters, die Einsatzbereitschaft der Vorstandschaft, an ihrer Spitze Bäckermeister Karl Gierich, der den Verein seit 1938 führte, und nicht zuletzt die Opferbereitschaft jedes einzelnen Sängers machten es möglich, dass der Verein vom 17. bis 19. Juni 1950 das Fest seiner zweiten Fahnenweihe, verbunden mit einem Freundschaftssingen, feiern konnte. 18 Vereine waren zu diesem Sängerfest – dem ersten nach dem Zusammenbruch, das in unserem so schwer mitgenommenen Bruchsal durchgeführt wurde – erschienen, und stolz konnte der erste Vorsitzende Gierich die neue Fahne aus den Händen des Kreisvorsitzenden Ernst Pieloth entgegennehmen. Dieser Höhepunkt in der Geschichte der Lyra war für Chormeister und Sänger Verpflichtung, unermüdlich weiterzuarbeiten.

 

Fritz Kleemann

 


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